Mittwoch, 31. Oktober 2012

Schicksal.


Sie ist 12 und hat alles was sie braucht.
Sie hat eine nette Familie, viele Freunde, ist hübsch, beliebt, ist zu jeder Party eingeladen und hat ein Erbe für sich sicher, mit dem sie auch ohne Beruf gut versorgt durchs Leben kommen würde.
Ihr Leben ist milde gesagt perfekt.
Doch nicht für sie.
Sie ist verliebt. In einen Jungen, der nichts für sie übrig hat. Jeder Junge steht auf sie. Jeder würde alles für sie geben.
Doch dieser Junge nicht.
Dieser Junge liebt jemand anderen. Jemand, der völlig anders ist als sie.
Sie versucht mit ihm zu reden, doch er ignoriert sie. Sie versucht alles, um an ihn heran zu kommen. Doch er ignoriert sie.

Sie sitzt alleine, im Park. Ihre Kraft ist vergangen. Sie ist am Boden zerstört.
Wieso mag dieser Junge sie nicht?
Was hat das andere Mädchen, was sie nicht hat?

Und dann fängt sie an, an sich zu zweifeln.
Tage vergehen.
Und sie leidet weiter.

Bin ich zu schlecht für ihn?
Bin ich zu hässlich?
Hab ich zu wenig Humor?
Bin ich zu langweilig?

So geht das weiter. Immer weiter. In der Schule leidet sie weiter, während sie den Jungen mit dem Mädchen sieht. Wie er sie anschaut.

Und irgendwann bleibt sie vor einem Schaufenster stehen, und schaut rein. Sieht sich selbst.
Blonde Haare. Sie hat braune. 1,60. Sie ist 1,70. Sie ist dünn und sportlich...
Und sie?
Wie sieht sie aus?
Ist sie zu dick?

Ich bin zu hässlich.
Deswegen liebt er mich nicht.

Und sie fängt an abzunehmen. Immer weiter, isst nichts mehr. Sie fängt an ihren Frust an ihren Freunden auszulassen. Ihre beste Freundin findet sie ätzend, ihre Kumpels erklären ihr sie wär zu dünn.
Mit den Eltern gibt es Stress, sie wollen, dass sie isst.

Doch sie weiß es besser.
Sie ist zu dick.

Sie fängt an zu laufen. Immer weiter. Stundenlang rennt sie über die Berge. Rennt ihren Frust weg. Sie fliegt regelrecht. Sie ist so leicht geworden. Doch immer noch mag der Junge sie nicht.

Wieso?

Sie wiegt nur noch 35 Kilo. Doch der Junge schaut sie verachtungsvoll an. Versteht sie nicht. Ignoriert sie.

Haare färben. Braun.
Abnehmen.
Schminken.
Hass auf die Welt.

Und immer noch liebt er sie nicht.
Immer noch liebt er sie.

Wieder im Park. Ihr wird klar, dass sie essen muss. Sie muss essen. Sonst stirbt sie. Und was hat das für einen Sinn? Er liebt sie doch immer noch nicht. Er wird sie nie lieben können.
Denn sie ist schrecklich. Sie ist hässlich, fett, unmöglich.
Es wird Abends. Doch sie hat keine Lust nachhause zu gehen.
Hat sowieso keinen Sinn mehr.
Nichts hat mehr Sinn.

Und da kam er mit den Drogen. Verpackt in eine Tüte, braunes Pulver.
Er erklärt ihr, dass alles besser wird.
Und sie vertraut ihm.
Hat sowieso nichts mehr zu verlieren.

20 Jahre später sitzt sie zuhause. Sie hat nichts mehr. Ihr Erbe ist für die Drogen und dem Kliniksaufenthalt drauf gegangen.
Das einzige was sie besitzt ist eine ein-Zimmer Wohnung. Sie lebt von Harz 4, die Schule hat sie nach der 8. Klasse abgebrochen.
Kinder hat sie keine.

Sie sitzt da und schaut raus. Schaut auf eine Straße, in der Jungs Fußball spielen.
Und hat nur einen Gedanken:

Musste das sein?


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